Bildungsrecht für Geflüchtete


Ein Quadratkilometer Bildung Fürstenwalde beteiligt sich mit eigenen Projekten an der Initiative „Bildungsrecht für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung: JETZT!“ der Freudenberg Stiftung.

 

"Geflohene Kinder und Jugendliche warten in Deutschland bis zu sechs Monate auf einen Schulplatz – trotz Schulpflicht und dem Recht auf Bildung. Um Kinder und Jugendliche vom ersten Tag an qualifiziert beim Ankommen und Lernen zu unterstützen, darauf sind Kindertagesstätten, Schulen und außerschulische Bildungsorte nicht ausreichend vorbereitet. Doch gerade sie können für Kinder zentrale Orte sein, an denen sie sich sicher und willkommen fühlen. Hier erfahren sie Gemeinschaft und lernen eine neue Sprache.

 

Anfang 2015 hat die Freudenberg Stiftung deshalb die INITIATIVE Bildungsrecht für Kinder mit Fluchterfahrung: JETZT! ins Leben gerufen. Sie setzt sich dafür ein, dass geflohene Kinder und Jugendliche – unabhängig davon, woher sie kommen und wie lange sie bleiben werden – schnell in die KiTa oder Schule gehen können und dort qualifizierte Unterstützung finden."

Freudenberg Stiftung --> mehr dazu

 

mehr dazu:

Download
Dialogforum Juni 2016 Weinheim
Dokumentation Freudenberg Stiftung
Dokumentation Praxis- und Dialogforum Ju
Adobe Acrobat Dokument 5.4 MB
Download
Dialogforum November 2015
Dokumentation Freudenberg Stiftung
dokumentation_dialogforum_november_2015.
Adobe Acrobat Dokument 1.4 MB

In Ein Quadratkilometer Bildung Fürstenwalde sollten Sprachlern- und Integrationsangebote für Familien geschaffen werden. Nach dem „Rucksack-Modell“ werden Eltern-Kind-Gruppen eingerichtet. Unter Beteiligung von Menschen mit Migrationserfahrung soll Informationsmaterial auf verschiedenen Sprachen erstellt werden z.B. zum Zugang zu Schulen, Kindertagesstätten oder zu Übergängen. Mitarbeiter/-innen aus KiTa, Schule und Hort werden im Projekt beraten und zur Unterstützung Menschen mit Migrationserfahrung zu Bildungscoaches qualifiziert. Ein Netzwerk, das sich dem Bildungszugang und der Bildungsqualität für Kinder mit Fluchterfahrung widmet, wird beraten und begleitet.

 

Die Ziele:

  • Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten von Familien durch Familiensprach-lerngruppen: Spracherwerb, Sprachmittlung
  • Verbesserung der Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Bildungs-bereich durch den Einsatz von Bildungscoaches
  • Profilerstellung und Curriculumsentwicklung für Bildungscoaches
  • Qualifizierung von MigrantInnen und Verbesserung der Integration
  • Vernetzung der handelnden Akteure (Fachkräfte und Einrichtungen) und Verbesserung der interkulturellen Kommunikation und Öffnung

Als Zielgruppen gelten:

 

  • Geflüchtete Kinder und Jugendliche und deren Familien
  • Menschen mit Migrationshintergrund; auch die zukünftigen Bildungscoaches
  • Netzwerke und Einrichtungen der Aufnahmegesellschaft
  • Fachkräfte: LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen

Einzelne Maßnahmen

Die Maßnahmen beinhalten die (ausführlich s. unten):

  • Curriculumsentwicklung
  • Qualifizierung und Supervision Interkulturelle Begleitung
  • Sprachlerngruppen
  • Unterstützung von lokalen Netzwerken

Curriculumsentwicklung

Zunächst ging es darum ein geeignetes Curriculum für die Qualifizierung von Bildungscoaches zu entwickeln. Dies sollte zum einen die Bedarfe der geflüchteten und zugewanderten Familien sowie der Bildungseinrichtungen abdecken, zum anderen musste es einer Teilnehmendengruppe gerecht werden, deren Zusammensetzung durch eine sehr große Heterogenität (in Bezug auf Geschlecht, Sprache, Deutschkenntnisse, Bildung, Berufssituation, Herkunft, Kultur und Religion) geprägt war.

 

Da es ein vergleichbares Vorhaben bislang nicht gab (Integrationslotsen, Stadtteilmütter u.ä. funktionieren in Großstädten vor dem Hintergrund völlig anderer MigrantInnen-Milieus, trotzdem es Überschneidungen gibt), keine Standards oder ein „Tätigkeits- bzw. Berufsprofil“ definiert waren, sollte eine für sich selbst stehende und flexibel handhabbare Qualifizierung diesen Bedarf decken. Entwickelt wurde die Qualifizierung „Interkulturelle Begleitung in Familie, KiTa und Schule“. Damit wurde auch dem Umstand Rechnung getragen, dass die Teilnehmenden (noch) nicht als „Interkulturelle Begleiter“ tätig waren, sondern im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit (z.B. als Sprachmittler oder in den Wohnverbünden) auch andere Arbeitsschwerpunkte und Herausforderungen hatten.

 

Aus dem Weiterbildungskonzept:

 

Was ist interkulturelle Begleitung?

 Die interkulturelle Begleitung in Familie, Kita und Schule unterstützt neue Einwohner_in­nen von Fürstenwalde und besonders die Kinder und Jugendlichen beim Besuch der Bildungs- und Betreuungs­einrichtungen in der Stadt. Sie sollen dort gut aufgenommen werden und gut zurecht zu kommen.

Kitas, Schulen, Jugendeinrichtungen und viele andere können die Integration der neuen Mitbürger_innen unterstützen, indem sie sich den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Besucher_innen anpassen und ihre Angebote weiterentwickeln – sich also interkulturell öffnen.

 

Wann können Sie an der Weiterbildung teilnehmen?

 1. Voraussetzung ist, dass Sie gut Deutsch sprechen können (Sprachstufe B 1 ist erforderlich).

2. Darüber hinaus müssen Sie eine Muttersprache der neuen Mitbürger_innen sprechen und sinnvoll sind Grundkenntnisse in Englisch.

3. Wenn Sie in einer Beratungsstelle oder Betreuungseinrichtung arbeiten, als Dolmetscher_in tätig sind oder sich ehrenamtlich engagieren, können Sie an der Weiterbildung teilnehmen. Auch wenn sie Sozialleistungen beziehen und sich für die Tätigkeit in diesem Arbeitsbereich weiterbilden wollen, ist dies gut möglich.

4. Migrationshintergrund, also die Erfahrung von Flucht, Vertreibung, dem Verlassen der Heimat und einem Kulturwechsel ist hilfreich für die Tätigkeit als Bildungscoach. Diese Erfahrung fördert das Verständnis für die Menschen, mit denen wir arbeiten.

5. Sie müssen bereit sein, mit den anderen Teilnehmenden der Weiterbildung gemeinsam zu lernen und Ihre eigenen kulturellen Hintergründe zu hinterfragen. Da viele Menschen aus unter­schiedl­ichen Kulturen intensiv zusammenarbeiten, werden wir uns gemeinsam mit unseren (Vor-)Urteilen und Geschlechterstereotypen auseinandersetzen.

 

Konzept der Weiterbildung: Interkulturelle Begleitung in Familie, Kita und Schule (Stand: 02/2016)

Qualifizierung und Supervision Interkulturelle Begleitung

Nach einem Auswahlverfahren wurden dann insgesamt 13 TeilnehmerInnen in 10 Modulen qualifiziert. Zukünftig sollen sie neben ihrer regulären Tätigkeit als MitarbeiterInnen in Wohnverbünden oder SprachmittlerInnen an der Schnittstelle zwischen Familien mit Migrationshintergrund (Geflüchteten) und Bildungseinrichtungen arbeiten und "Übersetzungsarbeit" leisten, um bei der wechselseitigen Integration zu unterstützen. In einem ersten Schritt sind zurzeit Interkulturelle Begleiter mit einer regelmäßigen Sprechstunde an der Sigmund-Jähn-Grundschule tätig.

 

Die Themen der Qualifizierung beinhalteten u.a.:

  • Kommunikation, Aufgabe und Rolle der IK Begleitung
  • „Vielfalt Gestalten“ – Das Interkulturelle Training
  • Bildungssystem in Deutschland und Fürstenwalde
  • „Vielfalt Gestalten“ – Das Kommunikationstraining
  • Sprachmittlung
  • Elternarbeit, Arbeit an der Schule
  • Eigene Kompetenzen, Lernerfahrungen, Auswertungen

 

Begleitend gab es das Angebot der Supervison bzw. des Coachings. Schon in der Entwicklung der Qualifizierung wurde deutlich, dass ein ergänzendes Angebot der Unterstützung notwendig wird, um einerseits Alltagsfragen und Problemsituationen aus der Praxis besprechen und bearbeiten zu können, für die es im Rahmen der Qualifizierungsmodule nicht genügend Raum gab, zum andern um den Teilnehmenden ergänzend professionelles Handwerkszeug und Methoden an die Hand geben zu können, denn nur wenige Teilnehmende hatten pädagogische Qualifikationen bzw. Vorerfahrungen.

Für 2017 ist ein „Nachhaltigkeitsprogramm“ angedacht, das ergänzende Fortbildungen und die Möglichkeit des Coachings beinhaltet.



mehr dazu:


Sprachlerngruppen

Seit dem vierten Quartal 2016 konnte an der Sigmund-Jähn-Grundschule der notwendige Kontakt zu Eltern geflüchteter Kinder aufgebaut und ein dort vorhandener Bedarf abgedeckt werden. Über die DAZ-LehrerInnen konnte der Kontakt zu geflüchteten Familien aufgenommen werden.

 

An mehreren Tagen pro Woche lernen dort nun Eltern (manchmal mit ihren Kindern) in Anlehnung an das Rucksack-Programm Grundbegriffe der deutschen Sprache. Dieses Angebot ersetzt keinen Sprachkurs, ist aber wichtig, damit Eltern dem schulischen Werdegang ihrer Kinder folgen können und die Inhalte verstehen. Der direkte Kontakt ermöglicht es zudem, Absprachen zu treffen und kleiner Probleme auf „kurzem Weg“ klären zu können.

mehr dazu:

Unterstützung von lokalen Netzwerken

Die Unterstützung der lokalen Netzwerke hatte zwei Ebenen:

  • die Beteiligung an städtischen (Integrations-)Gremien und Netzwerken
  • die Unterstützung und den Aufbau von Netzwerken

Als gutes Beispiel dafür kann die Gründung des Vereins „Al Tariq – gemeinsam in Fürstenwalde“ dienen. Der Verein gründete sich aus einer Gruppe überwiegend arabischer Frauen und Männer, die sich schon seit Jahren ehrenamtlich in Fürstenwalde engagieren und Nachbarschaftshilfe (auch für Geflüchtete) leisten. Sie betreiben außerdem in ihrer Freizeit eine Art Schule in der Kindern aus Fürstenwalde die arabische Sprache und Kultur näher gebracht wird und organisieren immer wieder Feste und Veranstaltungen an Feiertagen zu der alles eingeladen sind, um die wechselseitige Integration zu fördern. Der Verein dient nun zum einen als (rechtliche) Plattform, um zukünftig Vorhaben, die Schule und Veranstaltungen organisieren und um auch Fördermittel beantragen zu können, zum anderen ist er ein Instrument um in über kommunale Gremien besser in die Gesellschaft integriert zu werden. Durch die ehrenamtliche aber auch die berufliche Tätigkeit einiger Mitglieder als Sprachmittler besteht ein direkter Kontakt zu vielen geflüchteten Familien. Um das Vorhaben in seinen „Kinderschuhen“ unterstützen zu können, wird der Verein in seiner Gründungsphase inhaltlich und organisatorisch nun für ein Jahr gecoacht.